Verliebt in die Wildblumen West Australiens

In Westaustralien ist Wildblumenzeit!

Wags und ich erhielten die Erlaubnis, auf privatem Farmland zu campen, das vom riesigen, 180 km langen Mongers-See dominiert wird. Das Farmland selbst ist etwa 200 Hektar groß und kein Ackerland. Bei unserem Besuch standen die Wildblüten dicht wie ein dicker, kuscheliger Teppich.

Der Besitzer des Farmlandes begrüßte die Gäste und exponierte seine Leidenschaft für die Schönheit der Landschaft. Weil auch die Weizen-, Gersten- und Rapsfrüchte blühten, führte die Fahrt durch farbenfrohes Land. Wir folgten einfach einem alten Zaun um zum See zu gelangen.

Entlang des Feldweges zur Farm blühten links und rechts jede Menge rosa und weiße Everlastings, eine Art Gänseblümchen (Rhodanthe Chlorocephala -für Botaniker). Am Rand einer verwilderten Koppel lag ein Radrechen . Mit ihm wurde das gemähte Getreide zusammen gerecht, um es zu Garben zu binden. Das Getreide wurde später am Hof vor dem Dreschen durch einen Brechbbart gezogen, um die Kornären vom Halm zu ziehen. Auch gemähtes Heu wurde mit dem Radrechen zusammen geharkt, Es ließ sich dann besser zu Ballen bündeln. Inzwischen wirken die verrosteten Überreste des Gerätes auf den Betrachter wie ein Museumsrequisit in einem Naturgemälde aus Blütenpracht, Wasser und blauem Himmel.

Von Kamm eines Hügels aus blickten wir auf den majestätischen Mongers Lake. Ein Grenzzaun erstreckte sich zu unserer Linken entlang eines schmalen Pfades ins Tal und setzte sich schließlich in einer geraden Linie über den weiß und blau leuchtenden Salzsee fort. Im Dunst des schimmernden Salzes war er dann irgendwann nicht mehr auszumachen.

Ein Zaun wohin? Ein Zaun für was? Das weckte die Neugierde. Aber könnten wir über den See marschieren und dem Zaun folgen? Würden wir dabei nicht riskieren, im schlamm zu versinken, der sich unter der dünnen Salzkruste verbirgt?

Wir schlugen unser Lager am See auf. Wags versucht dabei immer, das Auto mit der Frontscheibe zur Sonne auszurichten, um mit dem mitgeführten Solarpanel die Batterien zu speisen. Der Aufbau endet inzwischen traditionell mit einem Glas Wein. Mit diesem Ritual markieren wir quasi unseren Landanspruch auf Zeit.

Der Farmeigner wusste, dass wir kommen würden, und stattete uns einen kurzen Besuch ab. Er bot uns eine Tour durch sein Land an. Das nahmen wir gern an und fuhren in seinem LKW mit. Während der Fahrt deutete er immer wieder auf auf seltene Wildblumen, die er mit blauem Klebeband markiert hatte, um sie leichter zu finden.

Er fuhr über Felsen, durch dorniges Gestrüpp und entlang eines Pfades, den er offensichtlich sehr gut kannte.

Es regnete in dieser Nacht einige Stunden lang heftig und unsere kleine "Prinzessinnenkammer", wie Wags das Zelt gern nennt, wurde überschwemmt. Das war allerdings unserer Dummheit geschuldet. Denn anstelle der Zeltplane hatten wir nur die Fliegennetzwände aufgestellt. Aber egal, denn das hat Wags super früh aus dem Bett geholt, um das Feuer anzumachen und die nasse Kleidung zu trocknen. Als Trostpflaster wurden wir mit einem spektakulären Sonnenaufgang belohnt. Oft verschlafen wir so ein Naturschauspiel leider, an kalten Morgenden.

Gesegnet sei Wag´s fürsorgliche Attitüde. Jeden Morgen kocht er den Kaffee. Das ist doch besser als jeder 5-Sterne-Hotelservice, oder? Ich bekomme Kaffee direkt ans Bett serviert und kann den gesamten Becher schlürfen, bevor ich aus dem Bett steige. So angenehm locker ist das Leben, wenn wir viel Zeit haben!

Die Hitze und der Wind nahmen zu. Dass beschleunigte das Trocknen der nassen Sachen. Wir hatten sogar einen Besucher in unserem Zelt für eine Weile!

Die Bewölkung an diesem Tag machte das Filmen von Wildblumen nicht besonders verlockend. Aber dafür konnten wir eine Prozessionsraupen Parade beobachten.
Ihre langen grauen Härchen schaukelten beim Gleichschritt nach links und rechts.

Anfassen sollte man die Raupen nicht. Die feinen Haare sind extrem giftig, Ihr Nesselgift kann allergische Reaktionen bsi hin zum allergischen Schock auslösen.
Mit den kleinen Widerhaken verfangen sich die Härchen gern an den Schleimhäuten von Mensch und Tier. Husten,. Augenreizungen oder sogar Fieber können die Folge sein.

Bei ihrem Marsch orientieren sich die Raupen jeweils am Vordermann. Tanzt ein Mitglied der Prozession aus der Reihe oder bliebt zurück, dauert es eine Weile, bis die Formation wieder auf Linie ist. Man fragt sich, wie der Anführer eigentlich ausgewählt wird? Welche Eigenschaften hat er oder sie? Oder ergibt sich die Führungsaufgabe nur zufällig? Ein Grund, das mal zu recherchieren.

An diesem Abend wurden wir wieder mit einem aufregenden Naturschauspiel beglückt. Der Mond stieg langsam über dem Horizont auf. Wags hat das genutzt, um ein paar tolle Reflektionsaufnahmen von der Treppe zum Mond aufgenommen. Meine Fotoversuche ließen dagegen etwas zu wünschen übrig....!! Aber hey... Ich lerne ja noch!

Am kommenden Tag strahlte der Himmel wirder wolkenlos blau und wir konnten uns den Wildblumen widmen. Für einige mussten wir einen kleinen Hügel erklimmen und uns über Geröll und durch Stachelbüsche quälen. Die Blumen zu unseren Füßen, den mächtigen Salzsee im Hintergrund und endlose grüne Steppe. Das löst Entdeckergefühle aus.

Weiße und, pinkfarbene und zitronengelbe Gänseblümchen, weiße und gelbe Orchideen Rosa Papier-Gänseblümchen und viele Arten von Margeriten. Lachende Lauchorchideen. Meine Güte, ich hätte nicht gedacht, dass ich daran einmal so viel Interesse entwickle.

Jede Blume ist für sich genommen so exquisit. Die Gänseblümchen und Strohblumen fühlen sich an wie Reispapier zum Anfassen, ihre Blütenblätter sind so zart und trocken. Wenn man von Tausenden von ihnen begrüßt wird, die alle in Gruppen zusammengefasst sind, ist es schwer, nicht beeindruckt zu sein.

Nicht jede Art von Wildblumen wuchs in großen Mengen. Einige bevorzugten es, allein oder mit einer ausgewählten Gruppe von artverwandten Pflanzen zu wachsen. Oft findet man sie im Schatten von Granitfelsen, wo der Boden nach Regenfällen länger feucht bleibt. Man muss schon etwas intensiver suchen, um sie zu finden.
Wir hatten das Glück, einen einzigen "Lachenden Lauch" (Orchideenart) zu finden der direkt in der Mitte eines großen flachen Felsens wächst. Den einzigen, den ich je gesehen habe. Schau dir das an, und du wirst sehen, wie passend es benannt ist!

Neben den Wundern der Natur gab es auf dem Farmland auch menschgemachtes zu bestaunen, wie etwa alte Mühlsteine, auf denen die Ureinwohner ihr Getreide malten. Eine ganzjährig sprudelnde Quelle ist im trockenen Outback ebenfalls ein kleines Wunder.

Unser Blick richtete sich aber auch immer wieder auf den See, dessen flaches Wasser vom Wind in unsere Richtung getrieben wurde. Ein Gemälde für Liebhaber von Naturschauspielen.

Es sind Zeiten wie diese, in denen ich mir wünschte, ich könnte zeichnen oder malen....diese erdigen Bilder und Muster bieten so viel künstlerische Inspiration, auch für ein ex-IT-Unternehmen wie mich, mit kaum einem künstlerischen Knochen in meinem Körper!

Der See zog verschiedene Vögel an, darunter majestätische Adler und lärmende Herden von Rosa und schwarzen Kakadus. Ihre täglichen Flugrouten waren ähnlich und beinhalteten morgens und abends Tiefflüge am Ufer des Sees und dann über die Linie des Zauns auf die andere Seite.

Eines Morgens erwachten wir zu einem leisen Platschen. Ein Emu lief in einiger Entfernung über den See. Angesichts der Stille des Morgens konnten wir das gut 1 km entfernt noch hören. Wir schauten fasziniert zu, wie der Emu sprintete. Dann, marschierte er wider, um anschließend noch einmal los zu sprinten. Es war so weit weg und es war schwierig, Fotos zu machen. Aber ein paar Aufnahmen gelangen.

Am Seeufer konnte man viele Tierspuren ausmachen. Einige der Emu Spuren zeigten, dass sie unserem Lagerplatz recht nah gekommen sein mussten. Ich schätze, wir haben diesen Moment verschlafen!

Wir sahen auch Spuren von Hundepfoten und dachten, es könnte vielleicht ein dingo gewesen sein. Aber nach einer Diskussion mit anderen, die sachkundiger waren, vermutete man höchstens einen Fuchs, denn die Pfotenabdrücke waren ziemlich klein. Dingoes und verwilderte Hunde nötigen mir gehörigen Respekt ab. Sie haben einen sehr gefährlichen Ruf und verfolgen auch Menschen. Wenn die Einheimischen vorsichtig sind, dann bin ich auch lieber vorsichtig! Meine nächtlichen Pinkelausflüge gehen deshalb nie weit vom Zelt weg, und wenn Wags und ich auf Entdeckungsreise gehen, tragen wir im Allgemeinen 2-Wege-Funk, damit wir in Kontakt bleiben können.

Nun, es waren interessante Tage am Mongers Lake, um dies interessante Stück Welt zu erleben. Es viel uns schwer, uns zu verabschieden.

Der beste Weg, die Wildblumen mit einer gewissen Garantie zu finden, ist sich im örtlichen Tourismusbüro beraten zu lassen. Sie kennen die Landbesitzer und deren Gebiete. Einige erlauben Touristen gern sie zu besuchen. Erkundigen Sie sich aber nach den Straßenverhältnissen. Die meisten Sandstraß und Feldwege kann man nur mit einem Allradauto befahren. Ein Campinganhänger oder ein größeres Campingauto kann da schon hinderlich sein. Wags und ich sind mit einem SUV und Campingausrüstung unterwegs. So bleiben wir hoch beweglich und flexibel. In kleinen Sidlungen darf man übrigens oft kostenlos campen. Von dort läßt sich die Umgebung gut mit dem abgekoppelten Auto erkunden. Zeit mitzubringen ist wichtig. Die braucht man, wenn man abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs ist. Übrigens sind die Einheimischen oft eine gute Informationsquelle, aber nicht immer.

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