Wie läuft es auf einer australischen Rinderfarm?

Bevor ich Mellenbye besuchte, hatte ich keine wirkliche Ahnung, was eine Rinderstation ist und wie sie sich von einem Bauernhof unterscheiden könnte. Das Privileg, eine echte Rinder Großfarm zu besuchen und zu filmen, war also sowohl lehrreich als auch lohnend.

Mellenbye ist eine relativ kleine 250.000 Hektar große Station.

Ist das klein?!

Nun ja, für australische Verhältnisse ist das klein. Einige der größeren Stationen hier sind größer als ganze Länder. Zum Beispiel ist die Anna Creek Station 5.851 Millionen Hektar (23.677 qkm) groß - größer als die Länder Slowenien, Montenegro, Israel, Wales und Hongkong (um nur einige zu nennen) und größer als einige amerikanische Staaten!

In Australien befinden sich die Stationen in der Regel im Norden und im Zentrum des Landes. Sie müssen von beträchtlicher Landmasse sein, um Tiere zu halten, denn es ist für einen Großteil des Jahres dort sehr trocken. Entsprechend schlecht ist das Futterangebot. Aus diesem Grund wandern die Tiere frei herum und fressen die natürlich wachsenden Gräser. Sie werden nicht zusätzlich mit Getreide oder Heu gefüttert und benötigen selten medizinische Behandlung mit chemischen Arzneien Sie haben auch weniger Kontakt zu Menschen als auf dem Bauernhof. In extremen Dürrezeiten kaufen die Rinderfarmer Heu zu. Sie vermeiden das aber so gut es geht, weil es wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Mellenbye selbst ist eine aktive Rinderstation mit rund 400 Tieren (einschließlich einer stattlichen Anzahl von Kälbern). Shelly, die Farmerin, weiß weitgehend, wo sich die Tiere aufhalten. Zu ihrer täglichen Arbeit gehört es, die Funktionsfähigkeit der Windmühlen sicherzustellen, mit denen das Wasser aus den Brunnen in die Tröge gepumpt wird. Eine Milchkuh trinkt unter den heißen Bedingungen des Outback rund 55 Liter Wasser pro Tag.

Shelly sprach mit uns über sogenannte "Geisterbullen"....wilde Bullen, die durch die Landschaft wandern und sich angeblich mit den Kühen paaren. Das ist ein wenig Jägerlatein und doch auch wieder nicht. Denn dass unter den Kälbern auf Shelly´s Farm auch ein paar sind, die nicht von ihren Mellenbye Bullen stammen, ist sicher nicht auszuschließen. Ein paar liebestolle Streuner gibt es ganz bestimmt und wenn die auf Liebe eingestellt sind, ist ein Zaun für die kräftigen Kerle kein Hindernis.

llerdings gelten die sogenannten Geisterbullen unter Einheimischen als besonders wild und ungestüm. Deshalb kann es bei der Paarung unter den Kühen auch Todesfälle geben.

Wir besuchten die Farm während der Wildblumensaison in Westaustralien und wurden am Haupttor von einem regelrechten Teppich aus weißen Everlastings begrüßt, die über die gesamte 6 km lange Fahrt zur Farm entlang des Weges blühten.

An unserem ersten Tag schlug Shelly vor, einen großen Salzsee -den Burra See - auf dem Grundstück zu besuchen. Typisch für die Region war sein eher brauner und schlammiger Boden.

Ein vom Bodenstativ aufgenommenes Foto reicht nicht, um seine Dimension zu dokumentieren. Wags ließ deshalb seinen 6-Rotor-Hexacopter aufsteigen und exponierte eine einzigartige Perspektive der Umgebung.

Ein kurzer Spaziergang auf einen Hügel bot einen spektakulären Blick über die Landschaft, mit weiteren Blütenteppichen aus weißen und gelben Blumen, die die braun-rote Felslandschaft bedecken, ähnlich wie gelbe und weiße Sprenkel auf einem Schokoladen-Donut.

Ich beschloss, auf diesem Salzsee spazieren zu gehen und kam ziemlich weit hinaus. Vielleicht hätte ich es bis zum anderen Ufer geschafft. Aber das ist zu riskant. Bei vielen der Salzseen läuft man Gefahr, durch die trügerisch dünne Salzschicht in den dunkelbraunen Matsch darunter zu sinken. Die salzige Decke auf jedem See wirkt wie ein Reflektor und quält die Augen mit einem gleißenden Licht. Eine Sonnenbrille ist Pflicht, will man sich die Augen nicht verblitzen

Shelly begleitete uns auf der Tag-Along-Tour mit ihrem zähen kleinen Toyota-Ute namens "Bully". Bully war früher ein Auto für den Viehtrieb, wird aber nicht mehr für diesen Zweck eingesetzt. Wir fuhren etwa 30 km entlang von Wegen und Zäunen und passierten Salzseen, hügeliges Gelände, Salzbüsche, wilde Aprikosenbäume, Sandelholzbäume, Wildblumen, das einsame Grab von dem 1920 verstorbenen Richard Sheen und verschiedene Betriebsbrunnen, Bohrlöcher und Windmühlen. Diese Tour wird allen Gästen angeboten, die Mellenbye besuchen.

Wir hatten das Glück, auch Kranzblumen (Lechenaultia macrantha) zu sehen. Dies ist eine seltene Wildblume, die oft gelegentlich an den Seitenstreifen von Straßen und Wegen auf magerem Boden wächst. Versuche, sie zu züchten waren angeblich bisher erfolglos. Die Kranzblume ist wirklich "wild"!

Wir hielten an, um ein aktives Nest des ‘Mallee Fowl’ zu sehen. Dingoes und verwilderte Hunde, die Wildhunde, machen hier draußen manchmal Probleme Kameras überwachen das Gelände deshalb an strategischen Punkten, um sie zu aufzuspüren. Shelly hielt auch an einem Trog an und reinigte ihn schnell. Denn Algen und andere Verunreinigungen im Wasser können den Kühen schwer zu schaffen machen.

Unser Ausflug endete am Fuß einer riesigen Granitkuppel, die „der Fels“ genannt wird. Wir beschlossen, hier bis zum Einbruch der Dunkelheit zu bleiben. Wir zündeten ein kleines Feuer an, schenkten uns ein Glas Wein ein und warteten darauf, dass die Nacht hereinbrach.

Der abnehmende Mond zeichnete sich nur noch als Sichel am Nachthimmel ab So war die Sicht frei auf Tausende von leuchtenden Sternen am Nachthimmel. Es war herrlich still und das Licht des Mondes spiegelte sich auf dem Wasser eines kleinen Teichs, dem Gnamma-Pool. auf dem Felsen.

Aufgrund von Naturschutzvorgaben durften wir nicht am Felsen campen und kehrten am nächsten Morgen früh zurück, um das Morgenlicht auf dem Granit- und den kleinen Wasserlöchern einzufangen. Bis dahin blieb noch Zeit und wir waren hungrig. Also machten wir unser kleines Feuer an und kochten ein Frühstück aus Eiern und Speck. Der Grill auf offenem Feuer wird allmählich zu unserer bevorzugten Kochmethode!

Erkundung von "The Rock"

Die Kuppel des Felsens bot einige interessante Dinge. Er war bedeckt von naturgeschaffenen Steingärten, kleinen kieselartigen Felsblöcken in allen Formen und Größen, die sich manchmal wie Erbsen auf einer Gabel gruppierten und jederzeit bereit zu sein schienen, den Hügel hinunterzurollen.

Ornate Dragons, das sind Echsen ungefähr so ​​lang wie mein Unterarm, huschten mit unglaublicher Geschwindigkeit über den Felsen. Ihre grau rötliche, schuppige Haut und ihr gelblich grau gestreifter Schwanz bot ihnen auf dem rotbraunen Fels gute Tarnung.

Wenn wir lange genug still standen, verloren sie ihre Angst und bewegten sich nicht mehr. So konnten wir sie filmen und fotografieren. Wags zog es aber natürlich vor, die Echsen für seine Filmkamera in Bewegung zu erleben.

Ich sollte sie dazu animieren, schaffte es aber immer nur auf etwa 2 Metern an sie heran zu kommen, bevor sie wieder zum nächsten sicheren Halt flitzten. So war es schwierig, ihre Körpereaktionen zu filmen. Immerhin konnte Paul zeigen, wie sie Feinden mit ihrem nickenden Kopf drohen.

Der Geruch der gelben Blumen rund um den Felsen war zuweilen würzig bis scharf.

Als wir vom Felsen herunter kamen, wurden wir mit Teppichen voller weißer, rosa und zitronengelber Schönheiten begrüßt.

Diese süßen kleinen Pom Poms, wie die Einheimischen sie nennen, öffnen sich jeden Tag komplett. Nur in den kühlen Morgenstunden scheinen sie noch ein wenig schüchtern zu sein. Ihre winzigen, hauchdünnen Blütenblätter fühlen sich an wie zartes Reispapier.

Als wir durch die Blumen wanderten, schien es, als gäbe es links von uns einen schöneren Teppich oder weiter hinten kräftigere Farben. Wenn man sich Zeit zum Schauen nimmt, sind es die kleinen Details, die auffallen und Freude bereiten.

Nach einem Tag des Filmens und Fotografierens der verschiedenen Orte, die Shelly uns gezeigt hatte, kehrten wir zum Farmhaus der Station zurück.

Station Stays

Mellenbye bietet ‘Station Stays’, dass heißt, man kann über Nacht bleiben, mit verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten - Camping/Wohnmobil, in restaurierten Schafscherer Hütten oder etwas luxuriösen privaten Zimmern im Gehöft selbst und eigenständigen kleinen Häuschen.

Wir entschieden uns natürlich für Camping und genossen aber den Luxus der Toilettenspülung und die Möglichkeit, entweder ein heißes Bad zu nehmen oder zu duschen.

Ein sogenannter Donkey (Esel) Boiler sorgte früher für heißes Wasser. Das war ein einfacher Wassertank, der über einem Feuerplatz montiert war. Das heiße Wasser floss dann über einen Hahn in den Duschbottich ab. Später arbeitete man nach dem Dampfkesselprinzip. Man baute eine Leitung, an deren Ende ein Duschkopf mit einem Sperrhahn darunter angebracht wurde. Der erzeugte Dampfdruck reichte, um das Wasser zum Duschkopf hinauf zu drücken. Nach dem Dampfdruckprinzip betrieb man auf Schiffen früher kleine Hilfsdampfmaschinen, die im Hafen z.B. den Ladekran antrieben, ohne dass man den großen, für den Schiffsantrieb gedachten grossen Kessel unter Dampf halten musste. Vermutlich rührt der Name Donkey Boiler daher, dass die kleinen Schiffskräne früher mit der Hilfe von Eseln betrieben wurde, die das Zugseil des Krans auf einer Trommel auf- oder abwickelten.

Shelly und ihre Mitarbeiter haben einige historische Gebäude, wie den Schuppen und das Schafscherer Quartier, wunderschön restauriert. Der Schuppen war einer der größeren und aufwendiger gebauten seiner Zeit in der Region.

Im Schererschuppen wird ein wenig Unterhaltung angeboten. Man kann Filme schauen und sogar eine Karaoke singen. Für Musiker stehen Instrumente bereit. Der Schippen bietet auch Platz für größere Partys. Vor allem ist er nützlich, wenn es mal regnet.

Zu bewundern gab es auch einen Alten Lister Einzylinder Dieselmotor, mit dem über einen Keilriemen die Schermaschinen der Schafscherer angetrieben wurden. Welche Erinnerungen die gute Maschine wohl an die alten Zeiten auf der Farm haben mag. Daneben standen auch noch der Schleifer und der Messerschärfer. Ein alter Korb, aus Zuckerrohr geflochten, stand auf dem Boden, befüllt mit Wollresten, die teilweise noch mit Lanolin gefettet waren... dessen Geruch leicht in der Luft lag.

Eine angrenzende Lagerküche war voll ausgestattet mit Kühlschrank, Kochutensilien und Tischen/Stühlen. Von hier aus wurden die Mitarbeiter auf der Farm und die Schafscherer versorgt.

Besonders gut gefallen haben mir die Cutesie-Fotos an der Wand gefallen, Sie geben dem Raum einen lustigen und originellen Touch.

Es gibt viele andere historische Relikte, darunter ein altes Reo-Auto, das von Hand angekurbelt werden muss, um es zu starten. Sicher ein Genuss für Liebhaber von Oldtimern!

Mellenbye wurde ursprünglich von der Familie Broad gegründet. Während unseres Aufenthaltes hatten wir die Ehre, mit zwei der ursprünglichen Farmbewohner zu sprechen, die aus dem Süden zu Besuch waren. Nan Broad, Autorin von zwei Geschichtsbüchern, und Nan's Sohn Ian, der als Kind auf der Station aufgewachsen ist. Sie erzählten uns viel über die ursprüngliche Großfarm und ihre persönlichen Erinnerungen. Nan kam zuerst als junge Braut hierher Sie sprach von ihrer mutigen Missachtung der damals typischerweise erwarteten weiblichen Küchenpflichten. Ihr waren die Reitpferde wichtiger. Sie erzählte uns auch von dem Spaß, den sie mit dem Fahrrad hatte, mit dem sie die Schafe trieb, die einst umher streiften. Ian sprach von seiner Schulausbildung auf der Farm. Denn die Entfernung zum nächsten Ort mit einer richtigen Schule war viel zu groß. Besonders gern spielte er Scherhaus.

Er erzählte auch eine Geschichte über die Eskapaden eines betrunkener Schafscherers. Er wurde zur Ausnüchterung für die Nacht im Wollpressen Käfig eingesperrt. Was für ein Tag, um Erinnerungen zu wecken und zu teilen.

Für den Rest des Tages quälte mich der Ohrwurm der Bush-Ballade "Click Go The Shears", eine Melodie, die ich als Kind einfach liebte. Ein pädagogisches Lied an sich.

In dieser Nacht veranstaltete Shelly eine "Filmnacht". Die Gäste verwandelten den Scherschuppen mit großen, weichen, staubblauen Sofas, in ein Outback Kino. Eine braune Papiertasche auf unseren Sitzen war gefüllt mit warmem, salzigen Popcorn, dessen Geruch zum Start des Films den Raum erfüllte. Der australische Film '3 Acts of Murder' wurde gezeigt, eine wahre Geschichte, die in realen Städten der Region spielt.

Wir lieben die Sonnenaufgänge im Outback!

Wags wurde am nächsten Morgen vom Muhen entfernter Kühe geweckt und stand früh auf. Wie üblich kochte er einen fantastischen „Instantkaffee“! Ich bin sicher, Kaffeeliebhaber werden sich schütteln. Aber er schaffte das, während er gleichzeitig die große orangefarbene Sonne filmte, während sie langsam über dem Horizont aufstieg.

Es war unser letzter Tag, und es fiel uns schwer Abschied zu nehmen. Shelly ließ uns aber nicht gehen, ohne uns vorab einige ihrer Tiere vorzustellen. Da wären zu nennen: Banjo, Dusty und Morris, drei unzertrennliche Esel, die gern verspielt und gesellig frei herumlaufen. Danny und Sandy, sind zwei neugierige Ziegen, die Shelly nach den Schauspielern im Kono Hit Grease benannt hat.

Ein toller und erholsamer Aufenthalt war das. Es gibt zwar viel zu sehen und sicherlich auch viel zu lernen. Aber der Hauptgrund, warum man sich einen Urlaub auf so einer Rindergroßfarm gönnen sollte ist, von allem Stress des Alltags wegzukommen und 24-48 Stunden lang "sehr wenig" zu tun. Die endlose Weite ist beruhigend, und die Sonnenauf- und Untergänge sind großartig.

Wie sagte doch einer der etwas weniger wortkargen Cowboys auf der Farm in der Abenddämmerung zu mir: "Du wirst nie müde, diesen Anblick zu genießen.

Und oh ... viel Spaß mit unserem Video!

Besuche Mellenbye's Website und sage Shelly, dass du Wags and Deb's Blog gelesen hast!

Du kannst sie auch auf Instagram und Facebook finden.

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